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In der Ruhe liegt die Kraft

Dein Hund liegt entspannt auf dem Platz, döst vor sich hin und draußen genießt ihr die ersten warmen Sonnenstrahlen und schlendert in den Wald hinein. Dein Hund trabt locker an deiner Seite, wirft dir immer wieder Blicke zu. Du schließt zwischendurch deine Augen und atmest die frische Waldluft ein.

Utopie?

Mit hibbeligen, um sich kreisenden, in die Leine beißenden, fiependen Hunden möglich?

Als meine Hündin die ersten Wochen und Monate bei mir war, wurde ich schnell zum Nervenwrack. Winseln, jaulen, kreiseln, beißeln, in mich hinein springen, mich anrempeln und mit ihrer Pfote mein Gesicht zerkratzen, meine Fenster zerkratzen, Möbel und Schuhe ankauen, hin und her tigern, die Wand hoch springen -  die Liste war lang.  Mein Gott, was war das anstrengend!! Von allen Seiten hörte ich: " die muss richtig ausgelastet werden" !

Ein Hund der selbst bei Lob (!) sofort hochfährt und vom Stresslevel echt an der Schmerzgrenze angelangt ist, soll ich auslasten. Ich fragte mich damals, wie soll ich das machen? Ich konnte nicht einmal an einer Straße entlang gehen, geschweige denn eine halbe Stunde spazieren gehen, Fahrrad fahren käme Selbstmord gleich. Meine Hündin war so überdreht, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes sich nur noch drehte - und zwar um sich selbst mit Stereotypien und in ihre Rute beißend.

Mein Bauchgefühl sagte mir, der Hund muss erst einmal runterfahren lernen.

Schritt für Schritt eroberten wir uns ein entspanntes Leben zurück.

Neben ganz viel Schlaf, Struktur, Ritualen und beharrlich Grenzen setzen haben uns das Deckentraining geholfen und meine eigene Stimmung zu verändern.

  • Der Schlaf - ein Hund braucht 16-18 Stunden Schlaf und das sollte man nicht unterschätzen! Da muss man tatsächlich bei den ganz hibbeligen Hunden nachhelfen. Vielleicht sind dir überdrehte Kinder bekannt, die abends so richtig aufdrehen. Das kann mit unseren Hunden genauso passieren. Kommt dein Hund wirklich zur Ruhe? Stört ihn keiner an seinem Schlafplatz? Ist es ein geschützter Raum? Manche Hunde nehmen eine Box ganz gut an, welche wie eine kuschelige Höhle wirken kann.
  • Struktur und Rituale - immer dieselben Abläufe und bestimmte Rituale haben enorm geholfen, dass sich ein positives Verhalten etabliert.Das bietet viel Sicherheit für den Hund und dies wiederum Ruhe. Fast immer zur selben Zeit nach draußen, festgelegte Ruhezeiten und Fütterungszeiten. Allerdings auch die kleinen Dinge sind wichtig. Ich habe immer erst einen Blickkontakt und ein leichtes Zurücknehmen eingefordert, bevor es raus geht. Das hat Wochen gedauert, bis ich alleine nur im Flur keinen sich drehenden, jaulenden Hund mehr hatte und extreme Geduld. 
  • Deckentraining, kann so hilfreich sein! Der Hund verknüpft damit schnell sich selbst zu regulieren. Es sollte immer die gleiche Decke sein, vorzugsweise eine, die man auch transportieren kann. Am Anfang nimmt man den Hund am besten an die Leine oder befestigt diese an einem Wandhaken, Heizung oder Schrank. Wichtig dabei ist, den Hund beharrlich immer wieder einzugrenzen oder mit Hilfe der Leine auf die Decke zurück zu bringen. Ein Signal sollte dabei nicht gegeben werden, denn bei dieser Übung geht es darum, dass der Hund lernt, sich selbst zu regulieren und eigenständig herunterzufahren. Im Signal gibt es immer eine Konzentration und Erwartungshaltung, wann dieses aufgelöst wird - das hat nichts mit innerer Entspannung zu tun. Sobald der Hund ruhiger wird, sich hinlegt und sogar den Kopf ablegt, ist das Deckentraining erfolgreich gewesen. Die eigene Stimmung sollte dafür auch ruhig und entspannt sein und ohne Druck auf den Hund auszuüben. Nach und nach kann der Hund mit der Decke dann Ruhe verknüpfen!
  • Stimmungsübertragung -  das ist so eine Krux mit der Stimmung. Gerne überträgt sich die Stimmung des Hundes auf den Halter oder die Stimmung des Halters auf den Hund. Es funktioniert also in beiden Richtungen. Ist der Hund ein völlig aufgedrehter, ziehender, nervöser Hund, dann kostet das Nerven! Keine Frage! Das kenn ich nur allzugut und mal eben die Stimmung ändern ist gar nicht so einfach. Die Atmung ist eines der Werkzeuge, wie man auch die eigene Stimmung ändern kann. Ruhiger in den Bauch hineinatmen und ruhig ausatmen macht schon wesentlich ruhiger. Zu dem Thema Stimmungsübertragung und wertvolle Werkzeuge wie die eigene Stimmung veränderbar ist, gibt es im nächsten Artikel.  Bis dahin viele ruhige und entspannte Momente!

 

 

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