Hilfsmittel versus Beziehung

Es gibt sie en masse - die sogenannten Hilfsmittel in der Hundeerziehung. Früher war es der Stachler, das Würgehalsband, heute ist es der Clicker, die Schleppleine, der Maulkorb, das Antiziehgeschirr, das Halti, die Blechdose, die Wasserflasche, das Sprühhalsband und vieles mehr. Einiges ist durchaus sinnvoll, wie natürlich die Leine, das Halsband und/oder Geschirr. Auch ein Maulkorb macht Sinn. Darüber hinaus gibt es allerdings etliche - und es scheint immer mehr zu werden - Hilfsmittel auf dem Markt.

Wofür sind die eigentlich? Jedes Hilfsmittel, soll den Hund erziehen, trainieren und helfen, damit der Hund entweder etwas unterlässt oder etwas anderes tut, als das, was er vielleicht gerne tun würde.

Die Erfindungsgabe in dieser Branche erscheint mir immens.

Es erscheint mir aber weniger, dass diese Mittel tatsächlich als Hilfe genutzt werden, sondern eher als Ersatz! Ersatz für Erziehung und für Beziehung!

Irgendwo am Ende der Hilfsmittel steht eben doch noch ein Mensch.

Und am anderen Ende eben der Hund.

Friedrich Schulz von Thun, ein deutscher Psychologe hat das Kommunikationsmodell entwickelt - das "Vier-Ohren-Modell".

Es geht darum, wie der Sender mit dem Empfänger kommuniziert: Er sendet eine Botschaft auf der Sachebene, sendet ein Appell, sendet auf der Beziehungsebene und über die Selbstkundgabe (er gibt etwas über sich selbst preis). Auf die Hund - Mensch Beziehung übertragen, sehe ich das Hilfsmittel auf der Sachebene angeordnet. Es gibt dem Hund kein Feedback auf der Beziehungsebene.

Wenn ich eine kongruente Kommunikation mit meinem Hund anstrebe, muss ich die Hilfsmittel ausblenden.

Dann haben diese nur noch den Sinn, etwas, was ich über der Beziehungsebene mitteile, zu untermauern - mehr nicht.

Ein Beispiel ist dafür die Leine: Ich leine meinen Hund an, damit er nicht wegläuft, damit er in meiner Nähe bleibt und weil es örtlich gesetzlich so fest geschrieben ist. Mit dieser Leine beginnt dann ein ganz eigener Tanz, der Hund zieht rechts und links, ich ziehe zurück oder wenn ich gerade Leinentraining mache, halte ich die Leine in der Hand und bewege mich nicht weiter. Oder ich zuppel an der Leine und es gibt sogar einen Leinenruck. Manchmal wirkt es auch so, als halte man den Hund ganz fest mit der Leine oder hält sich an dem Hund fest.

Das Hilfsmittel beginnt hier enorm an Stellenwert zu gewinnen und die Beziehung nimmt an Stellenwert ab.

In dem Moment, in dem ich mich als Person einbringe, dem Hund nonverbal oder auch verbal ein Feedback gebe - was ich will und was ich nicht will - kann wieder echte Kommunikation geschehen.

Der Hund nimmt mich wahr und nicht nur die Leine. Für mich ist dieser Weg nachhaltiger und ehrlicher als etliche Hilfsmittel.

Mein Hund ist auch ausgestattet mit Hilfsmittel und ich will diese nicht verteufeln, aber sie dürfen nicht das alleinige Mittel der Wahl sein.

Der Einsatz von Authentizität ist meiner Meinung nach mehr wert, als jedes Hilfsmittel!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke (Dienstag, 26 Februar 2019 07:32)

    Das ist auch für mich anfangs mal ein Thema gewesen :-(.... man sucht für "Probleme" beim Hund schnele Hilfe und greift sehr gern zu angebotenen Hilfsmitteln, da sie Erfolg versprechen.
    Bauchmässig hat es für mich eigentlich nie gepasst und ich hab die Sachen schnell wieder ad acta gelegt.
    Mein Hund hat nie so richtig verstanden, was ich da tu :-( Ich hab verstanden, dass es nur über eine gute Beziehung zu meinem Hund klappt und dass ich merken muss, dass Bhajuna verstanden hat, was ich von ihr will oder nicht will.
    Danke für den nochmal hilfreichen Bericht.